Einkaufen wie ein Experte in der Weinhandlung

Weinhandlungen sind so individuell eingerichtet, wie es der individuellen Persönlichkeit ihrer Besitzer entspricht. Einige spezialisieren sich auf italienische Weine, andere auf europäische – und wieder andere bieten ein breites Vollsortiment an: weisse, rote, süsse, stille und schäumende Abfüllungen aus aller Welt.

An Samstagen gehe ich gerne in Weinhandlungen. Der Anblick zahlreicher Weinflaschen inspiriert mich einerseits zu meinen Wein-Kolumnen, andererseits regt dieser Anblick meine Lust zu kochen an. Denn wenn ich weiss, welche Weine ich trinken möchte, denke ich sofort an das dazu passende Gericht.

Den eigenen Weinstil nicht vergessen!

In der Schweiz sind wir punkto Weinhandlungen sehr verwöhnt. Es gibt nicht nur viele, sondern ihr Angebot ist auch unglaublich vielfältig. In den meisten Weinhandlungen Frankreichs oder Italiens hingegen werden nur heimische Weine verkauft.
An Samstagen öffnen die meisten Weinhandlungen diverse Flaschen zum Verkosten. Das ist ideal, wenn man seinen Gaumen etwas schulen oder herausfinden will, welchen Weinstil man gerne hat und welchen nicht. Apropos Degustationen: Man kann sich in jeder Weinhandlung auf die Mailingliste setzten lassen und wird dann über die Termine der Verkostungen und der interessanten Lagerverkäufe informiert.
Beim Besuch der Weinhandlung schätze ich ganz besonders auch die Atmosphäre. Hier gibt geschultes Personal gerne und kompetent Auskunft über Weine, Trends, Ess-Kombinationen und so weiter. Doch aufgepasst: Wein macht bekanntlich euphorisch – und nicht jeder mag den gleichen Weinstil. Die Gefahr, dass einem der Weinhändler seinen persönlichen Weinfavoriten empfiehlt und verkauft, ist gross. Also immer darauf achten, dass man seinen eigenen Weinstil ins Gespräch bringt und sich entsprechend beraten lässt.
Weineinkauf soll Spass machen – und keinen Stress verursachen. Man kann sich Zeit lassen und muss nicht immer eine 12er-Kiste kaufen. Viel spannender ist es, von sechs verschiedenen Weinen je zwei Flaschen zu nehmen. Oder wenn schon eine Kiste, dann eine 6er. Was ich übrigens an den Weinhandlungen sehr schätze: Sie liefern den Wein nach Hause.

Schöne Weine für 15 bis 25 Franken

Bezüglich der Jahrgänge kann ich zwei Ratschläge geben. Wer einfache, aromatische Weissweine, Rosés oder Rotweine kauft, sollte sich für den jüngsten Jahrgang entscheiden. Dies gilt auch bei synthetischen Verschlüssen. Je komplexer der Wein, desto älter darf der Jahrgang sein.

Teure Weine sind heute nicht mehr zwingend die besten. Genau so wie die Günstigsten auch nicht die Schlechtesten sind. Weinpreise und Faustregeln sind keine harmonische Verbindung, denn je nach Weinregion, je nach Weintyp und manchmal auch je nach Jahrgang variieren die Preise sehr deutlich. Dennoch: Wenn man sich vornimmt, pro Flasche einen Betrag zwischen 15 und 25 Franken auszugeben, bekommt man bereits sehr schöne Weine.
Interessant in der Weinhandlung finde ich immer, wie die Weine sortiert sind. Zum Beispiel nach Ländern, nach den Preisen oder gar danach, zu welchen Speisen sie passen. Wichtig ist mir, dass ich mich im Laden wohl fühle und nicht den Eindruck habe, in einer önologischen Brockenstube zu sein. Doch auch wenn ich mich wohl fühle, lasse ich die Hände von zu verstaubten Flaschen, die nahe bei einer Neonlampe platziert sind: Die Gefahr, dass hier Licht und Wärme dem Wein geschadet haben, ist nämlich recht gross.
Und noch ein Tipp: Wenn Sie Weine einkaufen gehen, sollten Sie sich vor dem Betreten der Weinhandlung eine Ausgabelimite setzen. Ich weiss dies aus eigener Erfahrung!

Text: Chandra Kurt
Fotos: Gian Vaitl

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