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Weinjahrgang und Weinqualität

Warum schmeckt ein Wein, wie er schmeckt? Einerseits erhält er seinen Charakter durch die Traubensorten, andererseits durch seine Herkunft, seine Machart und auch durch seinen Jahrgang. Die Klimabedingungen während des Jahres prägen den Charakter der Traube.

Text: Chandra Kurt Fotos: Gian Vaitl

Einmal pro Jahr erntet der Winzer seine Trauben, um daraus Wein zu vinifizieren – und mit Sicherheit schmeckt der Wein nie ganz gleich wie im letzten Jahr. Grund dafür ist die unterschiedliche Qualität der geernteten Trauben. Das Wetter während des Jahres hat einen Einfluss auf den Zucker-, Säure-, Gerbstoff- und Fruchtextrakt-Gehalt der Trauben. Soviel zur Theorie. Für uns als Weingeniesser bedeutet das in der Praxis, dass unser Lieblingswein je nach Jahrgang anders schmecken kann. Warum schmeckt ein Wein, wie er schmeckt? Einerseits erhält er seinen Charakter durch die Traubensorten, andererseits durch seine Herkunft, seine Machart und auch durch seinen Jahrgang. Die Klimabedingungen während des Jahres prägen den Charakter der Traube.

Natürlich können dies auch nur ganz kleine Nuancen sein. Denn heute ist das Wissen in der Weinproduktion so fortgeschritten, dass auch in weniger guten Jahren im Keller noch sehr viel «gerettet» werden kann. Dennoch: Ein guter Wein sollte in der Aromatik die Einflüsse des Jahrgangs spiegeln. Am besten kann man die Unterschiede zu Hause ausprobieren, indem man drei verschiedene Jahrgänge vom selben Wein öffnet und sie nebeneinander probiert. Zuerst vergleicht man die Farbe in den drei Gläsern, dann den Duft der drei Weine und schliesslich den Geschmack.

Jahrgangstabellen als Orientierungshilfen

Je nach Jahrgang altern Weine ganz anders. Nicht selten kommt es vor, dass der jüngere Wein besser schmeckt als der ältere. Die verbreitete Annahme, dass das Gegenteil der Fall sein sollte, stimmt nur bedingt. Ein fünf- bis zehnjähriger Wein kann sehr gut, aber 15- oder 20-jährig ungeniessbar sein. Die Gründe dafür unterliegen keiner Faustregel, aber im Allgemeinen gilt: Je hochwertiger der Wein und der Jahrgang, desto länger kann man die Flasche lagern. Wobei ich betonen möchte, dass auch die teuersten Superweine einmal ihren Zenit überschreiten.

Jahrgangstabellen sind für die Wahl eines Weines sicher eine gute Orientierungshilfe, aber mit Vorsicht zu betrachten. Sie geben nämlich nur einen allgemeinen Hinweis, wie die Ernte in einer bestimmten Region verlaufen ist. In dieser Region vinifizieren aber zahlreiche Winzer ihre Weine, was je nach Vinifizierung zu Qualitätsunterschieden führt. Persönlich habe ich nur selten einen bestimmten Jahrgang gekauft, sondern vielmehr einen Weintyp. Davon lege ich mir nicht jeden Jahrgang zu, weil ich gerne immer wieder neue Weine entdecke. Übrigens: Es gibt auch Weine ohne Jahrgangsangaben. Zum Beispiel Schaumweine, aufgesprittete Weine oder Weine in Tetrapackungen. Das muss nicht zwingend ein negatives Zeichen sein. Bei der Schaumweinproduktion beispielsweise werden verschiedene Jahrgänge gemischt, damit möglichst jedes Jahr derselbe Weinstil produziert werden kann.

Bessere Bedingungen für gute Qualität

Heute ist der Weinjahrgang bezüglich der Weinqualität nicht mehr ganz so wichtig wie noch vor etwa 20 Jahren. Die Winzer können heute viel mehr Einfluss auf die Qualität des Weins nehmen. Auch helfen Pflanzenschutzmassnahmen, moderne Technik im Rebberg und im Keller sowie der globale Erfahrungsaustausch, dass gute Qualität keine Ausnahme sein muss. Kommt hinzu, dass sich zurzeit die globale Erwärmung in der Schweiz sehr gut auf den Weinbau auswirkt: So viele schöne Jahrgänge wie in den letzten Jahren hatten wir noch nie.

Zum Alter der Reben

Generell gilt, dass die Rebe ab ihrem dritten Jahr damit beginnt, die nötige Menge an Trauben zu produzieren. Mit etwa 15 bis 20 Jahren erreicht sie ihren Höhepunkt. Danach sinkt der Ertrag und ab einem Alter von 50 Jahren lässt sich die Produktion kaum noch rechnen. Da aber die Qualität der
Trauben trotz kleinem Ertrag im hohen Alter am besten ist, werden solche Trauben für Topweine oder für die Assemblage (hochwertiges und wohldosiertes Mischen verschiedener Weine des gleichen Ursprungs) verwendet. Sie ergänzen den Geschmack jüngerer Trauben mit mehr Tiefe und mehr
Komplexität.

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