Wein zu Suppen

Eine Suppe zu kochen ist wie ein Bild zu malen – anstelle der leeren  Leinwand wartet das neutrale Wasser auf die kulinarische Kreation. Persönlich bereite ich mir einmal pro Woche eine Suppe zu.

Etwas esse ich eher selten im Restaurant – das sind Suppen. Es mag daran liegen, dass ich einmal in einem  noblen  Zürcher  Zunfthaus  eine Suppe serviert bekommen habe, in der plötzlich kleine Maden an die Oberfläche gekommen sind.

Eine vollständige Mahlzeit

Eine meiner Ur-Erinnerungen an meine italienischen Grosseltern hingegen ist ihre wunderbare, hausgemachte Bouillon. Nur schon ihr süsslicher Duft, der die Kombination aus gekochtem Geflügel, Petersilie, Salz, Sellerie, Zwiebeln und Karotten in sich trug. Dieser Duft ist für mich auch heute noch das ultimative Gefühl von gemütlichem Daheimsein.

Inzwischen esse ich eine Suppe als vollständige  Mahlzeit,  und  so  verwende  ich immer  nur  frische  Gemüse  und  Kräuter sowie Fleisch oder Geflügel. Doch wie treffe ich die Auswahl? Denn bekanntlich tun wir uns nicht immer ganz einfach, wenn wir zu viele Optionen haben und wenn wir nicht unter Stress stehen. Ich verfolge ein paar Grundregeln, bin mir aber sicher, dass es noch viele andere gibt. Erstens verwende ich – wie bereits erwähnt – nur frisches und saisonales Gemüse. Auch bei den Kräutern achte ich darauf, dass alles frisch ist. Zweitens ist es mir jeweils wichtig, dass die farbliche  Kombination  der  Zutaten  harmoniert. Weniger ist in diesem Fall mehr für mich. Also lieber drei bis vier verschiedene grüne Gemüsesorten und etwas roten Paprika als fünf verschiedene Farben. Drittens achte ich manchmal auch darauf, dass alles Gemüse entweder unter der Erde oder über der Erde gewachsen ist.

Vielfältige Kombinationsmöglichkeiten

Was die Weinauswahl zur Suppe anbelangt, spielt die Farbe eine untergeordnete Rolle. Sowohl Weiss- und Rotweine als auch Rosés sind  passend.  Wichtiger  ist,  dass  der  Geschmack der Suppe und die Aromen des Weines miteinander kombinierbar sind. Ist die Suppe leicht und frisch, sollte dies der Wein auch sein. In diesem Fall denke ich an Sauvignon blanc, Riesling-Sylvaner oder Kerner.  Auch  ein  leicht  gekühlter  Gamay oder Dôle ist möglich. Enthält die Suppe Fisch, kann man beispielsweise einen Chasselas oder einen Viognier dazu servieren. Hat es Geflügel in der Suppe, würde ich Chardonnay oder gar die Walliser Spezialitäten Humagne blanche oder  Hermitage  trinken.  Bei  einer  kräftigen Herbstsuppe, die auch rotes Fleisch und Saucisson Vaudois enthält, empfiehlt es sich, einen Rotwein zu entkorken. Das kann ein Pinot noir sein oder gar ein Genfer Gamay. Auch ein leichterer Syrah ergänzt mit seiner pfeffrigen Note sehr schön das Aroma der geräucherten Wurst.

Soll  man  der  Suppe  beim  Kochen  etwas Wein beifügen? Ich tue das eher selten. Da verwende ich lieber einen Schluck Sherry. Was ich hingegen immer mache: Beim Rüsten des Gemüses geniesse ich einen frischen Weisswein.

Text: Chandra Kurt

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