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Schmeckt biologischer Wein anders?

Eines vorweg – ein biologischer Wein ist nicht im Gaumen zu erkennen. Auch machen biologische Weine nicht die Mehrheit der produzierten Weine aus. Aber ihre Qualität war noch nie so gut und ihre Akzeptanz noch nie so verbreitet wie heute.
Auf die Frage, was ein biologischer Wein ist, gibt es verschiedene Antworten. Denn es kommt ganz darauf an, aus welchem Land der Wein stammt. Für die Schweiz hat die Schweizer Weinhandlung am Küferweg, die seit Jahren biologische Weine verkauft, eine Liste zusammengestellt mit Anhaltspunkten, wie Weine aus biologischem Anbau entstehen:

  • Die Reben sind gentechfrei.
  • Die Parzellen sind auch mit Gräsern und Kräutern bewachsen. Auf Unkrautvernichtungsmittel wird verzichtet.
  • Mineralien und organische Substanzen wie kompostierter Mist garantieren eine natürliche Düngung. Der Einsatz von Kunstdünger ist verboten.
  • Die sogenannten Nützlinge werden gefördert. Der Einsatz von synthetischen Insektiziden ist nicht erlaubt.
  • Pilzkrankheiten werden nicht mit synthetischen Fungiziden, sondern Schwefel und nach Bedarf mit wenig Kupfer oder Tonerde bekämpft.
  • Die Weine werden durch Umziehen und durch natürliche Schönungsmittel (zum Beispiel Eiweiss) auf behutsame Art geschönt.
  • Schweflige Säure als Konservierungsmittel wird nur in minimalen Dosen eingesetzt.

Die Machart ist entscheidend

So weit, so gut. Aber schmeckt biologischer Wein anders? Ich muss ganz ehrlich sagen: Nein. Natürlich gibt es Ausnahmen – wie so viele beim Wein. Man findet sowohl bei biologischen wie nicht biologischen Weinen gute bis sehr gute und solche, die weniger gut sind. Das hat verschiedene Gründe. Wichtiger als diese ist zu wissen, was man trinkt, denn bekanntlich können wir einen Wein anders geniessen, wenn wir mehr Informationen über ihn haben. «Biologisch» sagt uns heute vor allem, wie ein Wein gemacht wird. Persönlich ist mir das in den letzten Jahren immer wichtiger geworden – vor allem weil ich auch sehe, wie «synthetisch» ein Wein hergestellt werden kann. Leider müssen solche Weine, die übrigens sehr gut schmecken, noch nicht deklariert werden.
Es ist ratsam, die Entwicklung im biologischen Weinbau zu verfolgen. Es wäre aber übertrieben, nur biologisch produzierte Weine zu kaufen. Man sollte immer zu Weinen greifen, die einem persönlich schmecken. Und je mehr Weine man getrunken hat, umso mehr wird man feststellen, dass «Industrieweine» oder «Massenweine » auf die Länge verleiden und schlicht keinen Spass mehr machen.

Der biodynamische Weinbau

«Biologisch» oder «ökologisch» darf man nicht mit «biodynamisch» verwechseln. Auch wenn die beiden Bezeichnungen ähnlich klingen, bedeuten sie nicht das Gleiche. Biodynamischer Weinbau geht auf den Anthroposophen Rudolf Steiner zurück. Dieser suchte nach Verbindungen zwischen den Menschen, Tieren, Pflanzen, der Erde und anderen Planeten. Im Zentrum des biodynamischen Weinbaus steht auch der Boden, wobei seine Revitalisierung oder Aktivierung unter Einbezug kosmischer Kräfte (wie der Mondkraft) stattfindet. Was etwas esoterisch klingt, wird beispielsweise seit Jahren von der Walliser Topwinzerin Marie-Thérèse Chappaz praktiziert.

Text: Chandra Kurt

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