le menu - EINFACH. RAFFINIERT. KOCHEN. Die Vielfalt der Biere

27. MAI 2021

WWW: Weizen-Weiss-Wit

Endlich: Es wird wärmer und die Terrassen laden zum Verweilen ein. Was passt da besser als ein feines Weizenbier? Nichts – ebä! Spritzig, fruchtig und herb-würzig. Also gefährlich durstlöschend. Mehr Sommer passt in kein Bierglas.

 

Bayern: Alles Banane?
In Bayern nennt man das Weizenbier auch Weissbier. Wieso «weiss»? Wahrscheinlich wegen des weissen Schaumes und des gleichen Wortstammes von «weiss» und «Weizen».
Fast unvorstellbar, dass dieses einst königliche und heute viel getrunkene Bier Mitte des 20. Jh. als so altmodisch galt, dass es beinahe ausgestorben wäre. Erst Anfang der 70er begann das Revival und dauert – glücklicherweise – noch immer an.
Prototyp dieser bayrischen Braukunst ist das unfiltrierte Hefeweizen. Das schmeckt dann oft nach Apfel, Nägeli und ganz typisch nach reifer Banane. Ganz schön betörend!
Diese Geschmackserlebnisse haben wir nicht dem Weizen sondern der Hefe zu verdanken. Weizenbiere sind das Showcase der Hefe.

 

Berlin: Darf’s noch etwas erfrischender sein?
Wer noch mehr flüssige Erfrischung braucht und Saurem nicht abgeneigt ist, sollte sich unbedingt an eine Berliner Weisse wagen. Und zwar nicht ans bekannte aber leider flache «Berliner Kindl», sondern lieber an eins der jungen Wilden wie die Brauereien Schneeeule, Brlo oder Lemke. Diese Weissen trinkt man am besten ohne Schuss. Mittelmässige Exemplare dürfen natürlich gerne weiterhin mit Waldmeister-Sirup aufgepimpt werden.

 

Und Belgien?
Wie immer sind die belgischen Interpretationen sehr spannend und lecker. Witbier (oder Bière Blanche) nennt sich dort das Weizenbier und wird mit Koriandersamen, Bitterorangenschalen und oft auch weiteren Gewürzen und Kräutern gebraut. Frisch getrunken ist das der perfekte Durstlöscher, mit etwas Alterung in der Flasche wird’s zum runden Dessert-Bier.

 

Gegen den Hunger?
Natürlich: Weisswurst und Brezen – was denn sonst? Aber auch milde Käse und Geflügel in allen Varianten sind perfekte kulinarische Begleiter. Im Gegensatz zu vielen Weinen und anderen Bierstilen passt Weizenbier hervorragend zu Fisch und Salat. Wenn’s süss sein darf, sind fruchtige Desserts wie Apfelstrudel oder Zwetschgenkompott hoch im Kurs.

 

ProBiervorschläge


Zwei Klassiker der bayrischen Braukunst

Klosterbrauerei Andechs (D): Weissbier hell

Weihenstephaner (D): Hefe Weissbier


Val Müstair Weizen

Alle Rohstoffe stammen aus der Region. Gemälzt wird (leider noch immer eine Rarität) in der Schweiz. Mehr Schweiz geht nicht.
Bieraria Tschlin (CH)

 


Witbier aus der Schweiz? Aber wit Vergnügen!
Brauerei Adler (CH): Vrenelisgärtli – Sommerbier par excellence

Viking Brew Lab (CH): Golden Valkyrie – junge Brauerei mit tollen Bieren

Doppelleu Brauwerkstatt (CH): Brewmaster Ed.27 Basil Wheat – Witbier mit frischem Basilikum

20. APRIL 2021

Bock’n’Roll

Frönten wir im April dem knackigen und zeitgeistigen IPA, geht’s im Mai in die Gegenrichtung. Der Hopfen tritt in den Hintergrund. Das Malz ist nun der Star. Anstelle von geschmacklichen Ecken und Kanten wird’s rund und sinnlich-warm. Dörrfrüchte, reife Beeren oder Pflaumen sind zu schmecken. Auch Ovomaltine oder Pumpernickel lugen ab und zu um die Ecke. Je nach Bockbierart können Marzipan und honigartige Aromen vorhanden sein.

 

Bock drauf!
Und was hat nun der Bock damit zu tun? Die ernüchternde Antwort: Nichts! Eindrücklich gehörnte Tiere zieren zwar fast jede Bockbieretikette, doch da wird der Bock zum Gärtner – resp. zum Poster Boy gemacht.

 

Aber der Reihe nach…
Im Mittelalter war nicht Bayern sondern der Norden rund um Hamburg die Bierbrau-Metropole des deutschen Sprachraums. Der Primus: Die kleine Stadt Einbeck in Niedersachsen mit über 700 amtlich registrierten Brauherren. Dank seiner Qualität war das Einbecker Bier weit über die Grenzen hinaus bekannt und wurde als Exportschlager in alle Ecken der damals bekannten Welt transportiert – u.a. auch ins wohlhabende Bayern. Der ausgiebige Genuss des Einbecker erwies sich dort schnell als bedeutender Negativposten in der Handels- und Zahlungsbilanz. Daher beschloss der herzögliche Hof 1573, selber «Ainpöckisch Pier» zu brauen, was aber erst rund 40 Jahre später gelang, als ein Einbecker Braumeister abgeworben werden konnte.
Je bayrischer, nuschelnder und beschwipster, desto schneller wurde aus «Ainpöckisch Pier» bald mal «Oan Pockisch», daraus ein «Oan Pock», um schlussendlich bei der Minimalform «Bock» zu landen.

 

Und das Essen dazu?
Heftig passt zu deftig! Ein kräftiges Bier braucht einen starken, geschmacksintensiven Partner.
Würziger Käse – egal ob hart oder weich – geht fast immer. Öl, Zwiebeln, Knoblauch, Pfeffer: Her damit! Alles tolle Sparingpartner. Sogar Dessert passt. Ein Tiramisu zu einem stattlich-malzigen Doppelbock? Himmlisch! Oder übergiessen Sie Vanilleglace mit einem Eisbock. Grossartig!

 

ProBiervorschläge


Geisser
Eher dezentes, dafür perfekt ausbalanciertes Bockbier – wie übrigens alle Sagenbiere der Brauerei Adler aus Schwanden.
Bock – Brauerei Adler (CH)


Ator 20
Riegele steht für höchste Qualität. «Ator 20» bietet ein starkes, harmonisches, langanhaltendes Geschmackserlebnis.
Doppelbock – Brauerei S. Riegele (D)

 


Aventinus
Das Vorzeigebier von Schneider Weisse: Ein Traum von einem Weizendoppelbock! Und rechts davon die kleine starke Schwester mit heimtückischen 12% Alkohol!
Weizendoppelbock & Eisbock – Schneider Weisse (D)

23. MÄRZ 2021

Was ist dran am IPA-Hype?

Das India Pale Ale (IPA – ausgesprochen: Ai-Pi-Ey) ist das Flaggschiff der Kreativbierszene, das Craftbeer schlechthin. Da steckt nicht nur gehörig Kick von Bitter-, sondern auch ganz schön viel Wumms von Aromahopfen drin. Eine unendlich grosse Spielwiese für kreative Brauer*innen.

 

Seit rund zehn Jahren gehört in jede trendig-kultige und gut sortierte Bar mindestens ein IPA. Und seit ebenfalls zehn Jahren wird über IPAs und den Hype um diese Hopfenbomben geschnödet was das Zeug hält. Doch solange immer wieder neue Kreationen auftauchen und über East und West Coast-, New England- oder Brut-IPA gefachsimpelt werden kann, bleibt das IPA die Königin der Kreativbiere.

 

Auch schaffen es die meisten grossen Brauereien mehr schlecht als recht, ein spannendes IPA auf den Markt zu bringen. Oft fehlt der Mut zu Ecken und Kanten und auf der Geschmacksskala geht’s gefährlich Richtung «langweilig».

 

Begonnen hat der IPA-Siegeszug Mitte des 18. Jahrhunderts in England. Das beliebte Pale Ale überstand die sechsmonatige Schiffsfahrt zu den in Indien stationierten Soldaten nicht. Und was konserviert? Genau: Alkohol und Hopfen. Also wurden diese Pale Ales stärker eingebraut und mit Hopfen vollgepackt. Die Idee war, dass dieses starke Bier in den Kolonien dann wieder auf «normales» Niveau verdünnt würde. Die Idee kam – im Gegensatz zum Bier – wohl nie in Indien an. Der Bier-Stil IPA war geboren.

 

Von dieser Geschichte gibt es Dutzende, schön und spannend erzählte Varianten, alle mit mehr oder weniger Seemannsgarn ausgeschmückt.

 

IPAs sind übrigens hervorragende Begleiter zu scharfen, stark gewürzten Gerichten.

 

ProBiervorschläge


Hopbliminal Messages
Bier können die Nordländer! Und bei den aktuellen IPAs macht ihnen niemand was vor. Hier stellvertretend ein NEIPA von Amundsen aus Norwegen. Schön fruchtig, mit grasiger Note und nur wenig Bitterkeit.
New England IPA (NEIPA) – Amundsen (NO)

Azacca
Bei IPAs in der Schweiz kommt man um Tom Strickler von S&A Brewing nicht drum herum. Mit Aromahopfen wird bei S&A nicht gespart.

IPA, American Style, leicht hazy – S&A Brewing (CH), ehemals Storm & Anchor

 


Punk IPA
Der (moderne) Klassiker. Das wohl bekannteste IPA weltweit. Knallig gehopft. Bitterkeit und Aroma ergänzen sich ideal.

IPA – BrewDog (SCO)

Andreas Gröber trinkt gern Bier. In seinen süffig geschriebenen Kolumnen weiht er uns in die Vielfalt der Biere ein, in Liebhabereien, Trends und Geschmackserlebnisse.

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